Was sagt die Fachwelt? Download Fachartikel Recherche leicht gemacht

Außendienst mit Charakter – was gibt es zu beachten?

Von Georg Vetter, Marketing- und Verkaufstrainer

Für ihren neuen Firmenfolder hätte die Firma "media forever " aus Frankfurt sicherlich einen Oskar bekommen. Das Layout – erste Sahne, die Broschüre – drucktechnisch einwandfrei, pfiffige Extras zeigen was das Unternehmen in Sachen Print- und Medienproduktion so alles kann. Der Seniorchef hat die neue Firmenphilosophie und die oberste Handlungsmaxime – "als Mediendienstleister immer für Sie da" – erst kürzlich voller Elan seinen Mitarbeitern vorgestellt. "Hinter diesen Flausen steckt garantiert unser Juniorchef", hört man die Kommentare. "Soll der sich doch selbst bis mitten in die Nacht um seine Kunden kümmern. Ich mache um vier Uhr Feierabend", denkt ein anderer. Der Außendienstmitarbeiter, der eigentlich schon Alterspräsident der Firma sein könnte, sagt: "Alles Theorie, ohne günstige Preise geht bei meinen Kunden gar nichts!"

Problem erkannt – Gefahr gebannt?

Ohne gelebte Firmenphilosophie der Mitarbeiter nutzen sämtliche neuen Marketingstrategien nichts. Auch der neue, supermoderne Firmenname "media forever" hilft dem Unternehmen nicht, das sonst immer noch à la TV-Firma "Hesselbach" der Nachkriegszeit weiterarbeitet. Image und Firmenphilosophie müssen gelebt werden. Alter Wein in neuen Schläuchen wird sofort vom Kunden enttarnt und damit unglaubwürdig. Dazu gehört die Dienstleistungsmentalität aller Mitarbeiter vom Empfang bis zum Innendienst und dem Fahrer, der die produzierten Werke zum Kunden bringt.

Augenblick der Wahrheit

Kundenkontakte sind Augenblicke der Wahrheit, heißt es. Jeder dieser Augenblicke der Wahrheit bringt es zuweilen schonungslos an den Tag: "Na ja, beim nächsten Mal sollte ich vielleicht doch das Gegenangebot des Unternehmens "XY" annehmen", denkt sich der Kunde – und schon ist er weg!"

Welche Faktoren entscheiden den Verkaufserfolg? Die Bekanntheit und die Persönlichkeit der Mitarbeiter, das empfundene Arbeitsklima, die Einstellung der Mitarbeiter und ihr Verhalten, die Erreichbarkeit der Firma und die Reaktionen bei Reklamationen – all dies wird von den Kunden als Indiz für die Zuverlässigkeit und Servicequalität eines Unternehmens gewertet.

Die Zeiten, in denen man als Außendienstler mit einem zerschlissenen Musterköfferchen auf der Matte stehen und an Weihnachten eine Flasche Branntwein offerieren konnte, sind längst vorbei. Im Hinblick auf die Dienstleistungsorientierung unserer amerikanischen Nachbarn muß auch der deutsche Verkaufsstratege endlich auf mehr Persönlichkeit setzen. Dies sollte sogar bis hin zu freundschaftlichen Momenten in der Beziehung zum Kunden gehen.

Für diesen diplomatischen Dienst für das Unternehmen sind nicht nur Königstugenden, sondern lupenreine fachliche Qualifikation und gute Verkaufsschulung notwendig. Wie findet man beispielsweise den optimalen Akquisitionszeitpunkt? Verpaßte Gelegenheiten kennt faßt jeder. Der eine mehr, der andere weniger. Wer die Bedürfnisse seiner Kunden genau kennt, kann ihn schon in der Konzeptionsphase eines Druckproduktes beraten. Dazu ist es wichtig, regelmäßig wiederkehrende, unregelmäßige oder auch einmalige Bedarfszeitpunkte zu ermitteln. Diese Informationen – beispielsweise über Jubiläen, Erscheinungszyklus verschiedener Druckprodukte etc. – müssen systematisch gesammelt und im elektronischen Terminkalender vermerkt werden. Individualisierte Direct-Mailings oder persönliche Kundenbesuche können auf Basis dieser Datenbank optimal eingesetzt werden.

Kalt erwischt – Besuche ohne Anmeldung

Ist ein Kaltbesuch ratsam oder nicht? Darüber streiten sich die Gelehrten. Jeder Außendienstmitarbeiter hat dazu seine eigene Strategie und Meinung. Bestimmte Merkmale sollte er allerdings dabei beachten. Wer sich selbst als Störenfried empfindet, wird auch vom Gesprächspartner als solcher definiert. Man muß – mehr als bei anderen Gelegenheiten – die Neugier des Kunden schon zu Beginn wecken. Wenn man unaufgefordert erscheint, sollte man etwas zu bieten haben. Es kann also eine mögliche Zielsetzung sein, den Kunden zu einem Gesprächstermin zu bewegen, den er am Telefon abblocken würde. Schließlich ist ein "Nein" am Telefon viel leichter ausgesprochen, als wenn man dem Kunden gegenübersteht.

Der Gesprächseinstieg

Es versteht sich von selbst, daß auch Spontanbesuche gründlich vorbereitet werden müssen. Unabdingbar ist die absolute Beherrschung der Fragetechnik. Der ungeschulte und unvorbereitete Verkäufer kommt unweigerlich ins Schleudern und verliert sehr schnell das Gesprächskonzept. Dann kann er nur noch reagieren und nicht mehr agieren. Außerdem sollte man Kaltbesuche immer nur dann einflechten, wenn zwischen zwei fest vereinbarten Terminen noch ausreichend Zeit bleibt und die Adresse auf dem Weg zum nächsten Kunden liegt. Ein Tag mit vielen Niederlagen demotiviert schließlich den besten Verkäufer.

Telefonat mit dem Kunden

Was gibt es zu beachten? Den Schwätzer stoppen, ohne daß er sauer wird, den Zauderer auf eine Aussage festlegen oder den Schweiger zum Reden bringen – in der Telefon-Akquise werden häufig psychologische Meisterleistungen gefordert. Einige Grundregeln für aktives Telefonieren helfen, kritische "Riffs" zu umschiffen und das gesetzte Gesprächsziel zu erreichen. Dazu gehören an erster Stelle Höflichkeit und Sprachausdruck. Am Telefon wirkt die Persönlichkeit nur durch die Stimme. Man sollte daher das Lächeln üben. Das hört der Gesprächsteilnehmer am Ende der Leitung. Aktives Zuhören und eine bildhafte, lebendige Sprache schaffen Sympathie. Ganz wichtig ist der Umgang mit dem Telefonhörer. Wer telefoniert, als ginge es um eine Lösegeldübergabe, wird keinen Erfolg ernten. Also Taschentuch entfernen und einen gleichmäßigen Abstand zum Hörer einhalten! Hastiges Sprechen wird ebenso vom Gesprächspartner als Unaufmerksamkeit gedeutet. In der Ruhe und der Persönlichkeit liegt auch hier die Kraft.

Ein erfahrener Verkaufstrainer beispielsweise begleitet den Vertrieb inkognito einige Tage bei den Kundenbesuchen und hilft mit Manöverkritik, die eigenen Fehler zu erkennen und zu beseitigen. Damit es beim nächsten Mal nicht heißt: "Danke, wir haben uns für Ihre Konkurrenz entschieden."


Der Autor
Georg Vetter, Vetter-Training, ist Marketing- und Verkaufstrainer für die Verlags, Druck- und Medienbranche. Er coacht seit 1990 äußerst erfolgreich die Mitarbeiter namhafter Unternehmen.

Für Ihre Resonanz zum Beitrag:
Vetter-Training, Telefon (0 67 42) 87 65-0, Fax (06742) 87 65-22
E-Mail: info@vetter-training.de


Pressekontakt:
Carola Notter, Vetter-Training, Telefon (0 67 42) 87 65-0, Fax ( 0 67 42) 87 65-22
E-Mail: notter@vetter-training.de


Home + Training on Tour + Philosophie + Seminare + Referenzen + Presse + Links + Impressum